Gerüstet für den Tag Tägliche Andachten

Von Neuem geboren

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ (Johannes 3,3)

Nikodemus kommt bei Nacht und sagt: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist.". Das ist kein kleines Zugeständnis aus dem Mund eines Pharisäers. Das ist ein ganz großes Kompliment.

Doch Jesus geht mit keiner Silbe darauf ein. Kein Dank. Keine Erwiderung des Kompliments. Kein höfliches Anknüpfen. Stattdessen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir…" eine feierliche Einleitungsformel, die bei Johannes stets bedeutet: Jetzt kommt etwas Entscheidendes. Hör genau hin. Und lerne, denn du hast bereits erkannt das ich hier der Lehrer bin, nicht du.

Schon seine Mutter hatte Jesus scheinbar ziemlich hart abgewiesen im vorigen Kapitel. Warum also diese scheinbare Schroffheit? Weil Jesus den Menschen sieht, nicht die Fassade. Nikodemus glaubte vermutlich, auf dem richtigen Weg zu sein, theologisch informiert, moralisch integer, religiös engagiert. Er kam, um Jesus in sein bestehendes Weltbild einzuordnen: ein Lehrer von Gott, einer von uns, nur eben mit besonderen Vollmachten. Doch genau das ist das Problem. Ein Mensch, der meint, er brauche nur noch den richtigen Lehrer, hat seinen eigentlichen Zustand noch nicht erkannt. Wir brauchen keinen Lehrer, wir brauchen einen Retter. Und danach dürfen wir von unserem Retter lernen.

Jesus nimmt das Lob nicht an. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus tiefer Liebe. Er weiß: Nikodemus braucht kein weiteres theologisches Gespräch. Er braucht eine neue Geburt.