Lebendiges Wasser
„Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast ja keinen Eimer, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn das lebendige Wasser?“ (Johannes 4,11)
Lebendiges Wasser. Im griechischen und auch im aramäischen bezeichnete man so das frische Quellwasser, als lebendiges Wasser. Kann man doch gut nachvollziehen, kühles Wasser kann unglaublich belebend sein. Gerade aktuell merken wir das alle.
Da ist also eine Frau die um die sechste Stunde, eine Zeit in welcher alle bereits ihr Wasser geholt hatten. Bei uns wurden die Tage an unsere Wohnung Balkone angebracht, die Bauarbeiter waren nicht so töricht und haben sich mittags in der prallen Sonne, an die Sonnenseite gestellt, um dort den Balkon aufzubauen, da wären sie vergangen unter dem Druck der Hitze. Sie haben lieber bis abends gewartet. Aber die Frau am Jakobsbrunnen machte genau das: sie ging zu einer außerordentlich ungünstigen Zeit Wasser holen. Es gibt viele mögliche Gründe. Sie war allein, vielleicht musste sie vormittags arbeiten, vielleicht hatte sie etwas abgehalten, wir wissen es nicht genau. Ich halte es aber am wahrscheinlichsten das sie die anderen einfach meidete. Sie konnte die Blicke, das getuschel, das geraune nicht mehr ertragen. Vielleicht ist sie deswegen schon mal in Tränen ausgebrochen. Wie gesagt wir wissen nicht warum, aber es muss ein triftigen Grund gewesen sein.
Nun sitzt da ein frommer Jude ohne Eimer ohne strick und bietet der "starken single Frau", die doch eigentlich alles unter Kontrolle hat, lebendiges Wasser an.
Kann er denn ohne Gefäß schöpfen? Kann er denn den lau gewordenen Brunnen wieder kühl machen, wie am Morgen oder abends? Will er denn nicht auf die anderen acht geben, ist ihm egal was die anderen Juden über ihn sagen, wenn er öffentlich mit "so einer Frau" spricht?
Wie oft sind wir diese Frau? Wie oft kommen wir beschmutzt und dreckig von der Sünde die wir wieder zugelassen haben, verschwitzt, weil wir uns mal wieder in Arbeit gestürzt haben, anstatt zu fragen, was Gott möchte, wie oft sind wir unwürdig an diesen Ort gekommen, an den wir immer wieder kommen weil er unseren Durst nicht stillt? Wie oft finden wir uns in unseren sündigen Neigungen verstrickt wieder, irgendwo in der Dunkelheit wo uns keiner sieht, wie oft starren wir ins Handy nachdem wir 2 Stunden gescrollt haben, ohne Sinn und Verstand. Und dann passiert das Wunder, ein Bild, ein Gedanke, ein vers, ein Wort. Und Jesus begegnet uns, jedes Mal neu, er begegnet uns und bietet uns das Wasser an was er selbst ist, das Wasser des Lebens.
Nicht verwechseln, das eine ist die Anwendung für unser tägliches Leben, das andere ist die Auslegung der Schrift. Jesus bietet der Frau am Jakobsbrunnen ewiges Leben an, dieses brauchen wir nicht jeden Tag neu, wenn wir es haben, dann ist es ewig da. Aber die Situation ist oft die selbe, unsere Quelle, die wir für andere sein sollen ist verstopft, und nur das wahre und klare Wasser des Wort Gottes kann unsere gänge freispülen.
[Matthäus 11,28] Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!