Gerüstet für den Tag Tägliche Andachten

Größer als Jakob?

„Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh?“ (Johannes 4,12)

Die Frage der Samariterin wirkt zunächst ganz natürlich. Vor ihr steht ein müder Mann ohne Eimer. Neben ihr liegt ein Brunnen, der seit Generationen Wasser gibt. Jakob hatte ihn gegraben. Jakob hatte daraus getrunken. Seine Söhne ebenso. Sogar das Vieh wurde daraus versorgt. Dieser Brunnen hatte sich über Jahrzehnte bewährt. Sollte dieser Fremde wirklich etwas Besseres bieten?

Doch hinter ihrer Frage steckt mehr als bloße Neugier. Sie misst Jesus an dem, was sie kennt. Sie beurteilt den Sohn Gottes nach den Maßstäben ihrer bisherigen Erfahrungen. Kann dieser Mann wirklich größer sein als Jakob?

Genau an diesem Punkt stehen auch wir auch immer wieder. Wir würden die Frage vermutlich nicht so formulieren. Aber unser Herz stellt sie oft auf andere Weise: Ist Christus wirklich größer als meine Sorgen? Größer als meine Krankheit? Größer als meine Zukunftsängste? Größer als finanzielle Unsicherheit? Größer als die Schuld meiner Vergangenheit? Größer als die Menschen, auf die ich mich stütze? Größer als das, was mir bisher Sicherheit gegeben hat?

Oft kennen wir die richtige Antwort mit dem Verstand. Natürlich ist Jesus größer. Doch sobald Schwierigkeiten auftreten, zeigt sich, worauf unser Herz tatsächlich vertraut. Dann erscheinen die Probleme riesig und Christus klein. Wir reden mehr über unsere Umstände als über unseren Herrn. Unsere Gedanken kreisen unaufhörlich um den Brunnen, um das Sichtbare, Greifbare und Vertraute.

Die Samariterin konnte sich nicht vorstellen, dass jemand mehr geben könnte als das Wasser aus Jakobs Brunnen. Ihr Blick reichte nur bis zu dem, was sie sehen konnte. Wie leicht geht es uns genauso. Wir erwarten Hilfe von dem, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, von Menschen, von unseren Fähigkeiten oder von günstigen Umständen. Dabei steht der Herr selbst vor uns. Bemerkenswert ist auch, dass Jesus ihre Frage zunächst gar nicht beantwortet. Er beginnt keine Diskussion über Jakob. Er muss seine Größe nicht beweisen!

Glaube wächst nicht dadurch, dass Christus größer gemacht wird, denn er ist es längst. Wachsen muss unser Blick auf Ihn. Darum lohnt es sich, heute ganz persönlich zu fragen: Wo zweifle ich praktisch daran, dass Jesus größer ist? Wo vertraue ich mehr auf meinen eigenen „Brunnen“ als auf den Herrn? Welche Sorge nimmt in meinen Gedanken mehr Raum ein als Christus selbst? Vielleicht kennen wir die biblisch richtige Antwort schon lange. Aber der Herr sucht nicht nur unser Bekenntnis, sondern unser Vertrauen. Denn Er ist nicht nur größer als Jakob. Er ist größer als alles, was uns Angst macht, alles, was uns Sicherheit zu geben scheint, und alles, woran wir unser Herz hängen.