Gib mir dieses Wasser
„Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen!“ (Johannes 4,15)
Die Worte der Frau zeigen, dass sie Jesu Aussage zwar ernst nimmt, aber noch missversteht: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen!“ Sie erkennt, dass Jesus etwas Besonderes anzubieten hat. Deshalb nennt sie ihn respektvoll „Herr“ und bittet ihn darum. Doch ihre Gedanken bleiben noch beim natürlichen Wasser. Sie wünscht sich Erleichterung im Alltag, nicht die Erfüllung ihres tiefsten geistlichen Mangels.
Gerade darin erkennen wir uns oft selbst wieder. Wie häufig suchen wir Jesus vor allem deshalb, weil wir hoffen, dass er unsere Mühen leichter macht, unsere Probleme löst oder uns Belastungen abnimmt. Christus lädt uns tatsächlich ein, mit allem zu ihm zu kommen. Doch sein größtes Geschenk besteht nicht darin, unser äußeres Leben angenehmer zu machen, sondern unser inneres Leben zu erneuern.
Die Frau denkt an den schweren Weg zum Brunnen. Jesus spricht aber von einer viel tieferen Not: dem Durst der Seele. Der Mensch spürt diesen Durst oft, ohne ihn richtig einordnen zu können. Er versucht ihn mit Erfolg, Besitz, Beziehungen oder Ablenkung zu stillen. Doch nichts davon kann uns dauerhaft erfüllen. Christus allein kann geben, was kein Mensch und keine Leistung schenken kann.
Bemerkenswert ist aber auch ihre Bitte: „Gib mir dieses Wasser.“ Obwohl sie Jesu Worte noch nicht vollständig versteht, wendet sie sich an ihn. Das ist ein wichtiger Schritt. Wer ehrlich sucht und seine Hoffnung auf Christus setzt, geht an die richtige Adresse. Vollständige Erkenntnis ist nicht die Voraussetzung, um zu Jesus zu kommen. Aber wer zu ihm kommt, muss bereit sein, sich von ihm korrigieren und belehren zu lassen.
Fragen wir uns deshalb: Suche ich Christus hauptsächlich, damit mein Leben einfacher wird, oder weil ich ihn selbst brauche? Erwarte ich von ihm nur Hilfe für meine äußeren Umstände oder die Erneuerung meines Herzens? Bin ich bereit, meine eigenen Vorstellungen loszulassen und mich von seinem Wort verändern zu lassen? Und komme ich mit meinem Durst wirklich zu Christus, oder versuche ich immer noch, ihn an den Brunnen dieser Welt zu stillen?