2. Korinther 2,12–13
Fünf fromme Würfel (2/5): Wenn sich alles so ergibt ... ist das schon die Antwort?
Als ich aber nach Troas kam, um das Evangelium von Christus zu verkündigen, und mir eine Tür geöffnet war im Herrn, hatte ich gleichwohl keine Ruhe in meinem Geist, weil ich meinen Bruder Titus nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und reiste nach Mazedonien. 2. Korinther 2,12–13
„Es hat sich einfach alles so wunderbar ergeben" Diesen Satz habe ich oft gesagt, meistens wenn ich sowieso schon wollte, wozu es sich fügte. Manchmal passt einfach alles zusammen, das Datum, die Uhrzeit, eine Stelle ist noch Frei, oder ein Grundstück oder ein Tisch im Lieblingsrestaurant. Man sieht immer wieder die "offene Tür". Und dann wird das oft Gottes Wille genannt, ohne genauer hinzusehen.
Paulus hatte in Troas tatsächlich eine offene Tür: „eine Tür aufgetan im Herrn" (2Kor 2,12). Trotzdem ging er nicht hindurch, weil er keine Ruhe in seinem Geist hatte, und zog weiter nach Mazedonien. Umgekehrt sagen ihm Geschwister in Apg 21,4 „durch den Geist", er solle nicht nach Jerusalem gehen, Agabus kündigt ihm Fesseln an ... und Paulus? Er geht trotzdem, mit den Worten: „Ich bin bereit, … auch in Jerusalem zu sterben für den Namen des Herrn Jesus" (Apg 21,13). Kurz: offene Tür -> aber nicht hindurchgegangen. Geschlossene Tür, ausdrückliche Warnung -> hindurchgegangen. Das ist der Satz, der mich am meisten trifft: Widerstand ist kein Nein Gottes. Wenn das stimmt, kann ich Umstände nicht mehr wie ein Ampelsystem behandeln.
Jona hingegen zeigt die andere Seite: Er fand ein Schiff, das genau dann fuhr, genau dorthin er wollte: direkt in die falsche Richtung. Die Umstände fügten sich so perfekt, aber sie sagten trotzdem nichts über Gottes Willen, sondern nur darüber, was gerade möglich war. Umstände sind moralisch neutral sie fügen sich für den Ungehorsamen genauso bereitwillig wie für den Gehorsamen.
Was sollen wir also machen, wenn weder die offene noch die geschlossene Tür etwas beweist? Paulus kennt die Lösung und er erklärt es uns in Röm 12,2: „verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist". Wir sollen prüfen. Prüfen ist ein Verb. Es setzt voraus, dass ich selbst urteile und nicht, dass ich einer Beschilderung folge.
Das ist unbequemer als der Blick auf die Umstände. Aber es unterscheidet zwischen dem, was gerade geht, und dem, was gehorsam ist. Diese zwei Fragen fallen seltener zusammen, als mir lieb ist.
Wo habe ich zuletzt eine offene Gelegenheit mit einem Ruf verwechselt? Und wie ging es aus?
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