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1. Könige 22,7–8

Fünf fromme Würfel (5/5): Wenn ich so lange frage, bis die Antwort passt

Josaphat aber sprach: Ist hier kein Prophet des HERRN mehr, den wir fragen könnten? Der König von Israel aber sprach zu Josaphat: Es gibt noch einen Mann, durch den man den HERRN befragen kann; aber ich hasse ihn, denn er weissagt mir nichts Gutes, sondern nur Böses: Micha, der Sohn Jimlas! Josaphat aber antwortete: Der König rede nicht so! 1. Könige 22,7–8

Ich habe mir „viel Rat geholt" so hätte ich es genannt. Tatsächlich hatte ich fünf Leute gefragt und beim sechsten aufgehört, weil der endlich das sagte, was ich hören wollte. Peinlich, das so aufzuschreiben, aber ich glaube, ich bin damit nicht allein. Und zum glück ging es nur um etwas berufliches.

Zwei Könige zeigen, wie das ausgehen kann, und bei denen ging es um mehr als nur "Organisatorisches". Ahab hatte vierhundert Propheten, die ihm alle nach dem Mund redeten. Nur einer widersprach: Micha ben Jimla. Ahabs Reaktion ist entlarvend ehrlich: „Es ist noch ein Mann da, um durch ihn den HERRN zu befragen; aber ich hasse ihn, denn er weissagt nichts Gutes über mich, sondern nur Böses" (1Kön 22,8). Er wusste, wo die Wahrheit war, und vermied sie gezielt. Rehabeam macht es viel subtiler: Er fragt zuerst die Alten, dann die Jungen ... und nimmt am Ende die Antwort der Jungen, weil sie ihm besser gefiel (1Kön 12,6–14). Das liest man und drückt sich mit Schwung die Hand ins Gesicht. Aber mach ich das eigentlich besser? Bei Rehabeam was das Ergebnis am ende dasselbe wie bei Ahab: Das Reich zerbrach daran.

Paulus beschreibt genau dieses Muster, fast klinisch: Menschen werden sich „ihren eigenen Begierden" folgend „selbst Lehrer aufhäufen", weil es ihnen „in den Ohren kitzelt" (2Tim 4,3). Aufhäufen oder Sammeln ... nicht suchen. Der Rat wird so lange vermehrt, bis der passende dabei ist. Das ist nicht dasselbe wie die „vielen Ratgeber" aus Spr 15,22, dort ist die Vielzahl ein Schutz, hier ist sie ein Trick.

Der Maßstab für guten Rat ist deshalb nicht Zustimmung, sondern Herkunft: „Die Weisheit von oben … ist unparteiisch, ungeheuchelt" (Jak 3,17). Und ein Satz, der wehtut, weil er so genau trifft: „Treu gemeint sind die Wunden eines Liebenden, aber überreichlich die Küsse eines Hassers" (Spr 27,6). Der unbequeme Rat ist oft der treuere.

Was mir hilft: vorher festlegen, wen ich frage und zuerst den, von dem ich Widerspruch erwarte. Wer mit dem Unangenehmen anfängt, sucht wirklich Rat.

Wer in meinem Leben darf mir widersprechen ... und wann hat er das zuletzt getan/ ich es zugelassen?

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