Gerüstet für den Tag Tägliche Andachten
Abo

Andachten abonnieren

Jede neue Andacht in dein Postfach.

Du bekommst eine Bestätigungsmail. Abmeldung jederzeit über den Link in jeder Mail.

Telegram-Kanal Jede neue Andacht direkt aufs Handy.

Johannes 4,27

Die Frage, die keiner stellte

Unterdessen kamen seine Jünger und verwunderten sich, dass er mit einer Frau redete. Doch sagte keiner: Was willst du? oder: Was redest du mit ihr? Johannes 4,27

Die Jünger kommen vom Einkaufen zurück und finden eine Szene vor, die sie überrascht: Jesus, ihr Rabbi, sitzt am Brunnen und redet mit einer fremden Frau, noch dazu einer Samariterin. Johannes beschreibt ihre Reaktion knapp, aber treffend: „Und in diesem Augenblick kamen seine Jünger, und sie wunderten sich, dass er mit einer Frau redete" dennoch sagte keiner: Was willst du? oder: Was redest du mit ihr?"

Ihre Verwunderung ist verständlich. Ein jüdischer Rabbi sprach in der Öffentlichkeit normalerweise nicht mit einer fremden Frau, erst recht nicht mit einer Samariterin. Gesellschaftliche Vorurteile hätten den Jüngern reichlich Gründe geliefert, um innerlich (oder äußerlich) den Kopf zu schütteln. Und doch: Sie fragen nicht nach. Kein „Was machst du da?", kein „Warum ausgerechnet sie?". Wieso eigentlich nicht? Vielleicht, weil sie längst gemerkt hatten, dass ihr Herr anders handelt, als sie es erwarten würden – und dass es nicht ihre Aufgabe war, ihn dafür zu beurteilen.

Wenn ich ehrlich bin, fällt mir dieses Schweigen oft schwer. Wie schnell habe ich ein Urteil parat, wenn sich jemand Zeit nimmt für einen Menschen, den ich selbst eher meiden würde. Wie schnell frage ich, zumindest in Gedanken: Warum gerade mit dem? Warum so viel Geduld mit jemandem, der es „nicht verdient"? Die Jünger zeigen hier etwas, das mich herausfordert: Zurückhaltung gegenüber dem Handeln ihres Herrn. Nicht weil sie alles verstanden, sondern weil sie ihm vertrauten. Sie mussten nicht jede seiner Begegnungen rechtfertigen können, um sie zu akzeptieren.

Genau darin liegt eine Lektion für unseren Alltag als Nachfolger. Auch wir werden immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen Gottes Wege unseren eigenen Kategorien widersprechen: eine Gnade, die uns zu groß erscheint, eine Geduld mit einem Menschen, die uns fast ärgert (denk an den älteren Sohn in der Geschichte vom verlorenen Sohn), eine Liebe, die über Grenzen geht, die wir selbst gezogen hätten.

Können wir schweigen, wo Jesus handelt, auch wenn wir seine Wege nicht sofort verstehen? Können wir uns mit unserem „Warum gerade der, warum gerade die?" zurückhalten, wenn Gottes Gnade einem Menschen begegnet, den wir selbst übersehen hätten? Die Jünger fragten nicht. Sie ließen Jesus einfach Jesus sein, auch dort, wo sie ihn nicht ganz verstanden.

  • Nachfolge
  • Vertrauen
  • Vorurteile
  • Demut