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Johannes 4,35-36

Ach, wir haben doch noch Zeit...

Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht die Felder an; sie sind schon weiß zur Ernte. Und wer erntet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich der Sämann und der Schnitter miteinander freuen. Johannes 4,35-36

Stell dir mal die Szene vor: Die Jünger kommen vom Einkaufen zurück. Sie waren gerade in Sichar, einer Stadt voller Samariter, also Leuten, mit denen man als frommer Jude besser nichts zu tun hatte. Sie haben Brot gekauft und sind wieder gegangen. Mehr nicht.

Und jetzt sagt Jesus: „Schaut mal genauer hin!“ Jetzt passiert hier etwas! Es ist jetzt soweit! „Noch vier Monate, dann kommt die Ernte“ das war wohl eine Art Sprichwort. So läuft das eben: erst säen, dann warten. Jesus widerspricht aber. Er spricht ein wohlbekanntes „Ich aber sage euch“. Im Reich Gottes gilt nicht unser Kalender. Wie oft denken wir: „Später rede ich mal mit meinem Kollegen über den Glauben.“ „Wenn die Situation passt.“ „Bei dem bringt das sowieso nichts.“ Jesus sagt: Die Ernte ist nicht irgendwann. Sie ist jetzt.

Gott macht die Felder reif. Die Samariter, die gerade über die Felder auf Jesus zukommen, wurden nicht durch eine raffinierte Strategie gewonnen. Gott hatte ihre Herzen vorbereitet, und das schlichte Zeugnis einer Frau („Kommt, seht!“) war sein Werkzeug. Das nimmt uns Druck. Wir müssen niemanden bekehren. Wir dürfen das Wort weitergeben, und Gott gibt das Wachstum. Er ist schon längst am Werk, bevor wir überhaupt den Mund aufmachen.

Aber unser Blick braucht Korrektur. „Hebt eure Augen auf“ heißt nicht einfach „guckt mal kurz“. Das griechische Wort theasasthe meint ein aufmerksames, betrachtendes Hinsehen. Die Jünger hatten die Menschen gesehen, aber nicht wirklich wahrgenommen. Sie sahen Fremde, Jesus sah Menschen, die reif für das ewige Leben waren. Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung: nicht mehr Aktionen, sondern andere Augen. Die Nachbarin, der Kassierer, der Kollege am Mittagstisch. Was siehst du, wenn du sie anschaust?

Am Ende dieser zwei Verse steht gemeinsame Freude. „Wer erntet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich der Sämann und der Schnitter miteinander freuen“ (V. 36). Unser Heil verdienen wir uns nicht. Aber Gott belohnt treuen Dienst aus Gnade, und der schönste Lohn ist die Frucht selbst: Menschen, die mit uns in der Ewigkeit sein werden. Und es gibt keine Konkurrenz. Die einen säen, die anderen ernten, vielleicht liegen Jahre oder Generationen dazwischen. Die Oma, die jahrzehntelang für ihren Enkel gebetet hat, und der Freund, der ihn schließlich zum Gottesdienst mitnimmt, freuen sich gemeinsam. Und der Himmel feiert mit. Jesus sagte kurz vorher: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen des, der mich gesandt hat“ (V. 34). Das hat ihn satt gemacht. Vielleicht hungern wir manchmal geistlich, weil wir vergessen haben, wofür wir eigentlich hier sind.

  • Ernte
  • Blickwechsel
  • Freude