Richter 9,7
Hört auf mich sonst wird Gott nicht auf euch hören
Als dies Jotam berichtet wurde, ging er hin und trat auf die Höhe des Berges Garizim; und er erhob seine Stimme, rief und sprach zu ihnen: »Hört mir zu, ihr Bürger von Sichem, so wird Gott auch auf euch hören! Richter 9,7
Jotham hört von der Krönung. Abimelech ist König. Der Mann, der seine Brüder umgebracht hat. Alle neunundsechzig. Und ganz Sichem hat gejubelt...
Was jetzt? Weglaufen wäre vernünftig. Möglichst weit weg, bevor Abimelech merkt, dass einer fehlt. Aber Jotam läuft nicht weg. Jedenfalls noch nicht. Er geht auf den Gerisim. Der Berg erhebt sich direkt über Sichem. Von oben kann man in die Stadt hineinrufen. Und man hat einen Fluchtweg. Jotham ist mutig, aber nicht leichtsinnig.
Doch der Gerisim ist nicht irgendein Berg. Mose hatte angeordnet, dass auf dem Gerisim der Segen ausgesprochen werden sollte, auf dem Ebal gegenüber der Fluch (5Mo 11,29). Josua hat das später genau so durchgeführt. Das ganze Volk stand damals zwischen den beiden Bergen und hörte das Gesetz (Jos 8,33–34). Jetzt steht ein einzelner Mann auf dem Berg des Segens und muss zu einem Volk sprechen, das den Segen gerade verspielt.
Hört mir zu, ihr Bürger von Sichem, so wird Gott auch auf euch hören!
Ist das nicht auffällig? In den ersten sechs Versen wird viel geredet. Von Brüdern, von Fleisch und Blut, von siebzig gegen einen. Es wird Geld verteilt, gemordet, gekrönt. Aber Gott kommt in keinem einzigen Satz vor. Erst Jotam nimmt das Wort „Gott“ wieder in den Mund. Der Jüngste, der Versteckte, der Überlebende. Sein Name bedeutet: Der HERR ist vollkommen. Und genau dieser Name wird jetzt zur Stimme Gottes.
Seine Botschaft ist ernst. Wer nicht hört, kann nicht erwarten, gehört zu werden. Das ist keine Drohung von Jotam, sondern ein Grundsatz, der sich durch die ganze Bibel zieht. Gott sagt durch Sacharja, dass er nicht hören wird, wenn sie rufen, weil sie nicht gehört haben, als er rief (Sach 7,13).
Prüfe das. Gott hört nicht auf uns wenn wir nicht gehorsam sind. Und wenn das stimmt? Wir müssen uns ehrlich fragen: Wie ist das bei uns? Wir beten, wir bitten, wir erwarten, dass Gott hört. Und das darf ich auch, als Kind Gottes. Aber wie oft habe ich in dieser Woche eigentlich auf ihn gehört? Die Bibel lag da. Die Predigt war am Sonntag. Hat das mein Leben irgendwie berührt? Oder rede ich mit Gott und lasse ihn selbst kaum zu Wort kommen?
Auf einem anderen Berg hat Gott selbst einmal gesprochen. Auf dem Berg der Verklärung kam eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein geliebter Sohn, auf den sollt ihr hören (Mt 17,5). Jotham ruft vom Gerisim: Hört auf mich! Gott ruft vom Himmel: Hört auf ihn! Der Herr Jesus ist das letzte und vollkommene Wort Gottes an uns (Hebr 1,1–2). Wer auf ihn hört, der hat Gottes Ohr.
Und vielleicht machst du gerade die Erfahrung von Jotham. Du bist der Einzige in der Firma, in der Familie, in der Klasse, der überhaupt noch von Gott spricht. Unten feiern alle, und du stehst allein auf dem Berg. Dann darfst du wissen: Gott hat noch nie eine Mehrheit gebraucht. Eine einzige Stimme, die sein Wort sagt, ist ihm genug.
- Hören
- Zeugnis
- Mut