Sprüche 14,12
Fünf fromme Würfel (3/5): Wenn sich etwas richtig anfühlt
Mancher Weg erscheint dem Menschen richtig, aber zuletzt führt er ihn doch zum Tod. Sprüche 14,12
„Ich hatte einfach so einen Frieden dabei" ... dieser Satz klingt fromm, und manchmal ist er es auch. Der Friede Christi soll wirklich in unseren Herzen regieren (Kol 3,15). Aber die Schrift traut meinem Herzen an dieser Stelle deutlich weniger als ich selbst: „Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und verderbt ist es; wer mag es kennen?" (Jer 17,9). Das ist kein sanfter Einwand, das ist eine Diagnose. Mein Herz bestätigt mir regelmäßig genau das, was ich sowieso schon will und nennt das dann auch noch Frieden.
Die Schrift sagt es sogar zweimal, fast wortgleich, als reiche einmal nicht: „Es gibt einen Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes" (Spr 14,12 und 16,25). Wenn ein Satz wortwörtlich wiederholt wird, ist das kein Zufall, sondern Nachdruck.
Zwei Bilder aus der Schrift zeigen, wie trügerisch diese Ruhe sein kann. Jona (wow der Bursche schaffte es schon wieder als Negativbeispiel hier in die Andacht) schläft tief und fest, seelenruhig ganz unten im Schiffsraum ... während oben der Sturm tobt . Und am Ende von Esther 3, direkt nach dem Erlass, der ein ganzes Volk auslöschen soll, sitzen der König und Haman gemütlich beim Trinken, während die Stadt Susa in Bestürzung ist (Est 3,15). Beide Bilder zeigen dieselbe Sache: Ruhe ist kein Gütesiegel. Sie kann Betäubung sein, durch Faulheit oder Kraftlosigkeit initiiert, oder schlicht Gleichgültigkeit.
„Wer auf sein Herz vertraut, der ist ein Tor", sagt Sprüche 28,26 ganz unverblümt. Der Maßstab ist nicht mein Herz, sondern liegt außerhalb von mir: „Prüft aber alles, das Gute behaltet" (1Thess 5,21). Geprüft wird am Wort Gottes, nicht am Gefühl. Das heißt nicht, Gefühle zu ignorieren. Es heißt, sie als Frage zu behandeln statt als Antwort. „Herr, warum bin ich hier so ruhig?" ist ein ehrliches Gebet. „Ich war ruhig, also war es richtig" ist ein Schluss, den die Schrift mir nicht erlaubt.
Frage für heute: Wann hatte ich zuletzt „Frieden" bei etwas, das ich hinterher bereut habe und woran hätte ich das damals schon erkennen können?
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