Kolosser 3,17
Glaube mit Hand und Fuß
Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Kolosser 3,17
Die gestrige Andacht endete mit einer Frage, die nachklingt: Wenn Jesus Christus wirklich Herr meines Lebens ist, wie kann ich dann heute leben? Paulus gibt im Kolosserbrief eine Antwort, die erstaunlich weit reicht. Er teilt unser Leben nicht in einen frommen und einen weltlichen Bereich auf. Er sagt: alles. Jedes Wort, jede Tat, jeder gewöhnliche Dienstag. Das ist befreiend und herausfordernd zugleich. Befreiend, weil Gott nicht nur am Sonntagmorgen im Gottesdienst zu finden ist, sondern auch am Schreibtisch, in der Küche, im Straßenverkehr und am Krankenbett. Herausfordernd, weil es damit keinen Bereich mehr gibt, in dem Jesus nichts zu sagen hätte.
Was heißt es, etwas „im Namen des Herrn Jesus“ zu tun? Im Namen eines anderen handeln bedeutet, in seinem Auftrag und in seinem Sinn zu handeln. Ich frage also nicht zuerst: Was nützt es mir? Was erwarten die anderen? Sondern: Würde Jesus sich zu dem bekennen, was ich hier tue, und zu der Art, wie ich es tue? Das verändert zuerst unsere Beziehungen. Wer im Namen Jesu lebt, begegnet anderen mit der Geduld und Barmherzigkeit, die er selbst empfangen hat. Wenige Verse vorher schreibt Paulus: „Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kolosser 3,13).
Christliche Lebensgestaltung beginnt oft nicht mit großen Projekten, sondern mit einem freundlichen Wort, einer ehrlichen Entschuldigung oder einem Anruf bei jemandem, der einsam ist. Es verändert auch unseren Umgang mit Zeit und Besitz. Unsere Stunden, unser Geld und unsere Begabungen sind uns von Gott anvertraut. Sie gehören uns nicht. Die Frage ist nicht, ob wir genug davon haben, sondern wem wir damit dienen. Ein Kalender und ein Kontoauszug verraten oft ehrlicher als jedes Bekenntnis, was uns wirklich wichtig ist.
Wer Gottes Willen prüfen möchte, wie Römer 12,2 uns auffordert, braucht Zeit mit Gottes Wort und im Gebet. Nicht als Pflichtprogramm, sondern weil wir nur den Maßstab anlegen können, den wir auch kennen.
Doch hier droht ein Missverständnis. Christliches Leben ist kein Selbstoptimierungsprogramm mit frommem Anstrich. Wer versucht, aus eigener Kraft ein vorbildlicher Christ zu sein, wird entweder stolz oder verzweifelt. Jesus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Johannes 15,5). Die Erneuerung, von der Paulus spricht, ist Gottes Werk in uns. Unsere Aufgabe ist, bei ihm zu bleiben wie die Rebe am Weinstock. Dann wächst Frucht, oft leiser und langsamer, als wir es uns wünschen, aber echt.
Darum endet Kolosser 3,17 auch nicht mit einer Mahnung, sondern mit Dankbarkeit: „… und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ Dank ist die Grundmelodie eines Lebens mit Jesus. Wir leben nicht so, um Gottes Liebe zu verdienen, sondern weil wir sie schon empfangen haben. Aus dem „Was glaube ich?“ wird so ganz natürlich ein „Wie lebe ich, weil ich geliebt bin?“
Vielleicht beginnen wir den heutigen Tag mit einem einfachen Gebet: „Herr Jesus, dieser Tag gehört dir. Zeig mir, wie ich heute in deinem Namen reden und handeln kann, bei der Arbeit, zu Hause und im Umgang mit anderen. Und schenke mir ein dankbares Herz.“
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