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Johannes 4,44-45

Applaus ist nicht Anbetung

Jesus selbst bezeugte zwar, dass ein Prophet in seinem eigenen Vaterland nicht geachtet wird. Als er aber nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was er während des Festes in Jerusalem getan hatte; denn auch sie waren zu dem Fest gekommen. Johannes 4,44-45

Auf den ersten Blick klingt das wie ein Widerspruch. Jesus sagt: Zu Hause wird ein Prophet nicht geachtet. Und dann kommt er nach Hause, nach Galiläa, und die Leute empfangen ihn mit offenen Armen. Hat Jesus sich da geirrt? Keineswegs. Johannes zeigt uns hier etwas ziemlich Unbequemes: Man kann Jesus feiern und ihn trotzdem nicht ehren.

Warum nehmen die Galiläer ihn auf? Johannes sagt es ganz offen: weil sie gesehen hatten, was er in Jerusalem getan hatte. Sie waren beim Passahfest dabei, sie hatten die Zeichen miterlebt. Jesus war für sie der Mann der Stunde, der Wundertäter aus der Nachbarschaft. Ein paar Verse später bringt Jesus ihr Problem auf den Punkt: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“ (V. 48). Das ist der Haken. Die Galiläer interessierten sich für das, was Jesus tut, aber nicht wirklich dafür, wer er ist. Sie wollten das Spektakel, nicht den Sohn Gottes. Und genau darin liegt die Missachtung, von der Jesus spricht, nicht in Ablehnung, sondern in einer Begeisterung, die an ihm vorbeigeht.

Spannend wird es, wenn wir den direkten Kontext betrachten. Gerade war Jesus in Samaria, bei Leuten, mit denen kein frommer Jude etwas zu tun haben wollte. Dort tat er kein einziges Wunder. Und doch glaubten viele: „um seines Wortes willen“ und bekannten: „Dieser ist wahrhaftig der Retter der Welt“ (V. 41–42). Die Fremden hörten und glaubten. Die eigenen Leute sahen und klatschten. Johannes stellt beides bewusst nebeneinander. Gott baut Glauben nicht auf Eindrücke, sondern auf sein Wort: „Der Glaube kommt aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi“ (Römer 10,17).

Hier wird es persönlich. Wer mit der Bibel aufgewachsen ist, steht in derselben Gefahr wie die Galiläer. Jesus ist vertraut, die Geschichten kennen wir, die Gottesdienste besuchen wir, die Galiläer waren übrigens auch treue Festbesucher. Doch Vertrautheit kann schnell in Gleichgültigkeit kippen. Dann wird Jesus zu jemandem, den man schätzt, solange er "funktioniert": Gebetserhörung, gute Gefühle, ein geordnetes Leben...

Jesus will aber nicht bestaunt werden. Er will, dass wir den Sohn ehren, wie wir den Vater ehren (Johannes 5,23). Und diese Ehre zeigt sich nicht in Applaus, sondern darin, dass wir seinem Wort glauben, auch wenn gerade nichts Spektakuläres passiert.

Das Schöne dabei ist: Wir brauchen nichts mehr zu sehen, um gewiss zu sein. Gott hat uns sein vollständiges, zuverlässiges Wort gegeben. Jesus selbst nennt die glücklich, „die nicht sehen und doch glauben“ (Johannes 20,29).

Wofür bin ich Jesus eigentlich dankbar? Für das, was er mir gibt, oder für den, der er ist? Und vertraue ich seinem Wort auch an ganz gewöhnlichen Tagen? Oder nur zu Ostern und Weihnachten?

  • Glaube
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