Johannes 4,46
Vom Hochzeitsfest ans Krankenbett
Jesus kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und da gab es einen königlichen Beamten, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Johannes 4,46
Stell dir zwei Bilder nebeneinander vor. Das erste: eine Hochzeit in Kana. Musik, Gelächter, volle Tische. Und mitten in diesem Fest verwandelt Jesus Wasser in Wein, damit die Freude nicht abbricht. Das zweite Bild: ein Haus in Kapernaum. Stille, gedämpfte Stimmen, ein Kind im Fieber. Ein Vater, der nicht mehr weiterweiß.
Johannes verbindet diese beiden Bilder ganz bewusst. Er schreibt nicht einfach, Jesus sei nach Kana gekommen. Er erinnert ausdrücklich daran, dass es der Ort ist, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Warum diese Erinnerung?
Der Jesus vom Hochzeitsfest ist derselbe, an den sich jetzt ein verzweifelter Vater wendet. Er ist nicht nur zuständig für die schönen Tage. Er ist der Herr über die Freude und genauso der Herr über Krankheit und Tod. Das Wort für „krank sein“ steht im Griechischen in einer Zeitform, die etwas Andauerndes beschreibt. Der Junge lag schon länger da. Die Sorge war nicht über Nacht gekommen, sie zog sich hin. Vielleicht kennst du das: eine Diagnose, die nicht verschwindet, eine Sorge um ein Kind, die einen morgens als Erstes begrüßt. Gerade dann darfst du dich an Kana erinnern. Nicht an ein Gefühl, sondern an das, was der Herr getan hat. Er hat sich als treu erwiesen, in seinem Wort und in seinem Leben. Der Gott deiner guten Tage hat dich in den dunklen nicht verlassen.
Schau dir an, wer hier kommt. Ein königlicher Beamter, ein Mann am Hof des Herodes. Er hatte Einfluss, Geld, Beziehungen. Er konnte die besten Ärzte bezahlen. Und doch half ihm all das nicht. Die Krankheit macht keinen Unterschied zwischen Palast und Hütte. Kurz vorher hat Johannes von einer ganz anderen Person erzählt: der Frau am Brunnen in Sychar. Eine Samariterin, verachtet, mit belasteter Geschichte. Gesellschaftlich lagen zwischen ihr und diesem Beamten Welten. Aber vor Jesus stehen beide gleich da: als Menschen, die ihn brauchen.
Das gilt bis heute. Dein Kollege mit der steilen Karriere braucht Jesus genauso wie die Nachbarin, über die im Haus getuschelt wird. Der Chef und die Reinigungskraft, der Professor und der Obdachlose. Gottes Gnade ist nicht nach Rang sortiert. Und wenn du meinst, für Jesus zu klein oder zu belastet zu sein, oder umgekehrt zu sehr im Griff zu haben, um ihn zu brauchen: Beides stimmt nicht.
Manchmal ist es gerade die Not, die uns zu Jesus treibt. Der kranke Sohn brachte den Vater auf den Weg nach Kana. Gott kann Grenzerfahrungen gebrauchen, um uns an das Ende unserer eigenen Möglichkeiten zu führen und damit an den Anfang seiner.
- Kana
- Not
- Gnade für alle